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Kaiserstr.13
63065 Offenbach
Mittwoch + Sonntag
15.00 Uhr – 18.00 Uhr

T.H. Dahmen

Dahmen, T.H.

Malerei und Installation

Vita

1957 Geboren in Ulm/Donau
1977-84 Studium an der Hochschule für Gestaltung Offenbach und am College of Art Edinburgh
1990 Arbeitsaufenthalt in den WASPS - studios, Glasgow
Lebt in Offenbach/Main

Adresse

Senefelderstraße 16
63069 Offenbach am Main
069-834277

Interview

T.H.Dahmen im Gespräch mit Sissy Voss ("Move the Stone")

Sissy Voss: Was reizt Sie an der künstlerischen Arbeit?
T.H.Dahmen: Beim Malen oder Zeichnen muß ich jeden Tag die Welt neu erfinden.
S.V.: Da nehmen Sie sich viel vor. Wie schaffen Sie das?
T.H.D.: Meine Hand arbeitet meist schlafwandlerisch, die Bilder entstehen rasch. Was da entsteht, hängt von Augenblickssituationen ab, von Assoziationen, die aus einer Mischung aus gegenständlichem und bildnerischem Denken kommen. Dabei kommt es mir darauf an, so wenig wie möglich zu zensieren.
S.V.: Welche Fragen beschäftigen Sie dabei?
T.H.D.: Das Formfinden ist für mich immer wieder eine rätselhafte Sache: Die entstandene Form ist die Lösung, das Rätsel ist das Unbekannte. Ich habe die Antwort, doch was war die Frage? Die Frage stellt sich mit jedem Blick in die Welt, der nicht zielgerichtet ist.
S.V.: Läuft man dabei nicht Gefahr, sich zu wiederholen?
T.H.D.: Jeder Tag gibt einem die Möglichkeit, sich nicht zu wiederholen. Man muß es trotzdem tun. Kontinuität ist Wiederholung plus Fortbewegung. Die Wiederholung von Schritten macht das Gehen erst möglich. Jeden Tag entsteht ein Stapel Arbeiten. Am nächsten Tag fällt die Entscheidung: Akzeptieren oder Überarbeiten.
S.V.: Überarbeiten - heißt das, etwas ungeschehen machen?
T.H.D.: Man kann auf einem Blatt nichts ungeschehen machen. Zwar bleibt das Geschehene später für die Betrachter verborgen, doch die Schichten, die Geschichte sozusagen, verraten, daß etwas unter ihnen verborgen ist.
S.V.: Das Verborgene ist dann für immer verloren...
T.H.D.: Ja, Formen werden unter neuen Schichten begraben, so wie die Tage unseres Lebens unter den Wochen und die Wochen unter...
S.V.: Verlieren die Arbeiten irgendwann für Sie die Bedeutung?
T.H.D.: Ich weiß es nicht. Vielleicht brauche ich sie irgendwann tatsächlich nicht mehr. Doch vorerst sammeln sie sich an, verschwinden in Kästen, Stapeln, Regalen. Es sind Kürzel für die vergangenen Tage, Wochen, Jahre.
S.V.: Das heißt, Sie brauchen sie jetzt noch? Als was?
T.H.D.: Meine Arbeiten sind bestenfalls Batterien, aus denen ich wieder Energie zapfen kann. Oder Nährboden: Eine Zeichnung wurzelt. Sie muß wachsen. Die Frucht fällt oft erst nach langem Betrachten heraus.
S.V.: In vielen Ihrer Arbeiten tauchen eingestempelte oder skizzierte Texte auf. Wo kommen die her?
T.H.D.: Die Texte entstammen einer anderen Ebene des Arbeitsprozesses, einer Art beiläufigen Findens, aus Lektüre, aus dem Radio, aus der Erinnerung. Sie stellen einen Zusammenhang mit der Welt der Gedanken her, die in und außerhalb jedes Individuums existieren. Aus der "Nährlösung" , wie es bei Musil heißt, dem Reich des gespeicherten Wissens, aus dem wir ständig zitieren. Im Arbeitsprozeß geht mit dem bildnerischen Denken ein verbales einher, das den Prozeß nicht reflektiert, - das kann man vielleicht nachher tun - sondern eher umschwirrt. Aus diesem Schwirren der Worte fallen zuweilen Sätze aus, die in einem Bild Platz finden können. Sie werden dann zu einem bildnerischen Element. Sie können sich vor das Dargestellte drängen und eine Art Zaun bilden. Wer das Bild betrachtet, wird von ihnen ge- (oder ver-)führt, wer ihnen folgt, verirrt sich bisweilen. So ist das mit den verbalen Konzepten.
S.V.: Und was ist Ihr Konzept?
T.H.D.: Es gibt kein Konzept, keine Idee, der Ursprung bleibt im Dunkeln. John Cage sagte: "Alles, was ich weiß, ist, daß ich weitergehen muß" .
S.V.: Nichts, woran Sie sich halten können?
T.H.D.: Das Betrachten der Spur, die ich beim Gehen hinterlasse. Sie ist die einzig verläßliche Linie.

 

Ausstellungen (Auswahl)

Beteiligungen

1983
Offenbacher Künstler in Velletri/Italien
1984
Frankfurter Künstler in Ägypten und Saudi Arabien

Kunststudenten stellen aus, Wissenschaftszentrum Bonn und Orangerie Kassel
1986
Thomas Dahmen/Leonore Poth, Kunstverein Offenbach
1987
Dahmen/Köhler/Peters im Historischen Museum Hanau, Schloß Philippsruhe
1990 Ausstellungshalle Jesuitenkirche Aschaffenburg
Künstleraustausch Land Hessen - Region Lazio, San Michele a Ripa, Rom
1991 „Schiffsuntergang“, Atelier Schiff, Offenbach
1994 Peterskirche Frankfurt
„Forum Typographie“, Fachhochschule Mainz
1996 „Contemporary Art in the Spirit of Robert Burns“, Gracefield Studios, Dumfries/Schottland
1997 „Ein Raum für Kunst“, Ledermuseum Offenbach
„Quattrologe-Festvial“, Kunstmuseum Sochi/Rußland
1998 Galerie Helmut Pabst, Frankfurt
2001 Thomas Dahmen - Uta Schneider, gemeinsame Buchprojekte, Klingspor-Museum, Offenbach
„75 Jahre BOK“ Messehallen Offenbach

Einzelausstellungen:

1992
Galerie Helmut Pabst, Frankfurt
1995
Museum Schillerhaus, Ludwigshafen
1998
Salon Brenner, Offenbach
2001
Galerie „Zement“, Frankfurt
2002
Salon Brenner, Offenbach