Logo – Galerie Salon 13

Kaiserstr.13
63065 Offenbach
Mittwoch + Sonntag
15.00 Uhr – 18.00 Uhr

Michaela Haas

Haas, Michaela

Objektkunst und Zeichnung

Vita

geb. 1964 in München
1984 - 91 Hochschule für Gestaltung, Offenbach
1992 - 94 Arbeit in Zyklen (ca. 500 DIN A4-Zeichnungen); erste Figuren Beschäftigung mit Mythologie; Kinder- und Liebesgedichte

Atelier

Karlstr. 12
63065 Offenbach am Main
Tel.: 069 / 81 97 62

Warum ich mich nicht übersetzen kann.

Gestern blätterte ich in einigen Ausstellungskatalogen. Es war das Wochenende der Kunstansichten in Offenbach, und weil ich selbst nicht teilnahm, hatte ich mir vorge- nommen, möglichst viele Ateliers und Ausstellungsräume zu besuchen. Ganz unvoreingenommen wollte ich alles ansehen. Man muß - dachte ich mir - keine Angst vor den Arbeiten der anderen haben. Sie sind nicht unbedingt besser, sie verdienen vielleicht nicht alle mehr Geld als du - auf jeden Fall aber besitzen sie schön gedruckte Ausstellungskataloge mit gut reproduzierten Bildern ihrer Werke. Am Anfang oder am Ende stehen wohlgesetzte Texte, die erklären, was der/die KünstlerIn da überhaupt macht.

Grundsätzlich sehe ich die Notwendigkeit solcher Texte darin, daß man die Arbeiten einem Publikum erklärt, das denkt, daß ein Text schlauer ist, und daß man Bilder nur verstehen kann, wenn es schon eine Meinung dazu gibt. Man ist sich nicht so sicher, ob man das richtige sieht und empfindet. Es ist ja generell nicht so, daß ich behaupte, anders zu sein und alles gleicher- maßen sehen und empfinden zu können. Im Gegenteil floß bei meinem gestrigen Rundgang alles mehr oder weniger durch mich durch. Texte hätten daran auch nichts geändert. Der ängstliche und besitzergreifende Teil von mir, der nur aufteilt in: kenn ich schon kenn ich nicht, Speckstein, Städel, das hab ich auch schon mal so ähnlich gemacht, so was würde ich ja nie machen ...usw. war nur schwer zum Schweigen zu bringen. Zum Lesen drang der gar nicht vor. Natürlich finde ich es toll, wenn jemand so malt, daß es mir gefällt. Aber was fange ich dann mit dem Gefühl an?

Auch finde ich es schwierig in Ateliers oder Ausstellungsräume zu gehen, in denen Künstler sitzen und vielleicht Erwartungen haben. Als ich noch studierte, machte ein Professor mit uns Selbsterfahrungsübungen: alle waren in einem Raum, einer nach dem anderen wurde nach draußen geschickt und mußte einzeln wieder hereinkommen. Daraus entstanden dann kleine Objekte. Manchmal kommt es mir vor, als sei mein ganzes Leben innerhalb dieser Übung stecken- geblieben, leider nur nicht mehr als Übung, auf die man am Ende eine Note bekommt. Dann traf ich Johannes Kriesche, der für den Bund Offen- bacher Künstler die home page gestaltet, und er meinte, ich könne ihm einige Bilder meiner Arbeit und einen Lebenslauf, evtl. auch einen Text zusenden. Am darauffolgenden Tag tippte ich meinen Lebenslauf ein weiteres Mal neu, weil ich den alten wieder mal nicht fand. Man muß leider der Tatsache ins Auge sehen (anhand der verschiedenen Daten und Stationen), daß sich meine Ausstellungen nur selten aus Offenbach herausbewegen. Andere haben wenigstens woanders studiert.

Bei den Kunstansichten sagte Johannes Kriesche dann noch, in den Ateliers über Jürgen Wolfstädters Raum für Kunst wäre eine Frau, die wohl wirklich gute Bilder malt, aber da konnte ich leider nicht hingehen, weil Jürgen und ich nicht mehr miteinander reden und seine Frau mich auch überhaupt nicht leiden kann. Überhaupt gehört dies zum provinziellen Dasein dazu, daß die ganze Stadt gepflastert ist mit vergangenen Begegnungen und allen möglichen Animositäten. Daß man auf einmal den eigenen Wert danach bemißt, wer in Offenbach ein mehr an Aufmerk- samkeit erhält, daß man aus der Rudel derer mit denen man studiert hat, im Grunde nie richtig herauswächst - aber weil ich mich lieber vor den Türen aufhalte, als im Raum zusammen mit den anderen Herde zu spielen, tue ich so, als wäre ich ein Außenseiter. Außenseiter, das bedeutet, daß man noch weniger Aufmerksamkeit erhält als der Durchschnitt, aber denkt, seine Ruhe zu haben. Seine Ruhe hat man natürlich trotzdem nicht, weil man in Wirklichkeit gerne wüßte, was die Herde so redet und tut. Die Herde soll einem In-formationen und Vergünstigungen rausschicken am besten auf einem Tablett. Im Salon Brenner las ich den Text, den Anja über ihre Bilder in den neuen von ihr selbst gestalteten Ausstellungs-katalog für die Ausstellung in Saarbrücken geschrieben hat. Vielleicht hat ihn auch jemand anderes geschrieben, denn er ist in der dritten Person verfasst.

Mein Leben besteht bis zu einem bestimmten Punkt aus einer Verweigerung dieses „wie etwas zu sein hat". Nicht daß ich darauf stolz wäre; ich empfinde es eher als eine Unfähigkeit, alles so zu tun, daß es irgendwie gewinn- bringender wäre. Seit Celi Anfang dieses Jahres in den Kindergarten gekommen ist, denke ich ständig darüber nach, was meine Aufgabe eigentlich ist, wie ich Geld verdienen soll und will, warum ich so viel an meinen Bildern und Figuren arbeite und welches Gegenüber sich dafür interessieren könnte.

Ich spucke jede Menge sehr persönlicher und subjektiver Texte aus, aber ein Text, der irgend- jemandem in der dritten Person erklärt, was von meinen Bildern oder Figuren zu halten ist, ist nie darunter. Das liegt, glaube ich, daran, daß ich es gar nicht weiß. Ganz am Anfang meiner Ausstellungen hatte ich irgendwann eine Einladungskarte entworfen, auf der in Fließtext alle Titel meiner damals aktuellen Zeichnungen und Figuren standen. Eine Anrufung? Eher eine Aufzählung. Ich empfinde meine Arbeiten nicht als etwas, das ich bin, oder das von mir ist. Natürlich habe ich sie genäht und gezeichnet oder gemalt, aber sie sind trotzdem etwas eigenes, ein Nicht-ich. Natürlich würde ich dieses Nicht-ich gerne für meine Zwecke benutzen, im magischen wie im praktischen Sinn. Aber das gelingt mir nur selten.

(Michaela Haas September 2003)

 

Ausstellungen

1994 „Votiv“- Ausstellung in der Wendeltreppe, Frankfurt Installation von Zeichnungen im Brokalhaus, München die Geschichte von dem Dämon und dem Engel (Text und gleich-namige Figuren)
1995 Gartenzeichnungen Tempelzeichnungen
1996 Geschichten um König und Königin (Text und Figuren) Wächterfiguren
1997 Bühnenbild für hauptsache kultur im hr3 „Inanna“-Installation von Zeichnungen, Figuren und Objekten in einer leerstehenden Wohnung, Offenbach
Inanna in der Galerie Augustin, Hofheim
Ausstellung in der vhs, Bad Homburg
1998 Installation im rosa Raum, Salon Brenner, Offenbach
1999 Anubis Thot Lämmlein - Tierfiguren
2000 „Mädchen und Schakal“, Ausstellung in der ev. Stadtkirche, OF Ausstellung mit Kästen im „Land in Sicht“, Frankfurt

Ausstellung mit getrenntem Bild, Salon Brenner Offenbach
2001 (völkerk.) Gemeinschaftsausstellungim Ledermuseum, OF
„ich möchte eine solche werden“ - Installation mit Zeichnungen, Texten und einem Kind, Kunstansichten in Offenbach
Installation mit zwei Stühlen, Gemeinschaftsausstellung des Bund Offenbacher Künstler in den Messehallen
2002 2 Stimmen, Ausstellung im Artlantis, Künstlerbund Taunus
„bliss“ - Installation mit Zeichnungen, Kunstansichten OF
„schnee“ - liegendes Bild mit Figuren und Objekten, EVO-Turm
2002/03 Ausstellung mit Krokodil - Figuren und Zeichnungen in den Praxisräumen von Dr. Zekorn, Bad Homburg
2003 Ausstellung mit Füchsen - Figuren und Zeichnungen, „Tag der Gesundheit“ in der vhs, Offenbach