
Zepter, Ursula
Vita
1948 Geboren in Offenbach
1965-68 Ausbildung als Farblithographin
1973-79 Hochschule für Gestaltung in Offenbach (Diplom)
Seit 1978 Mitglied im Bund Offenbacher Künstler
BOK Preisträger des Kunstpreises der Stadt Offenbach 2009
Seit 2005 Mitglied der Frankfurter Künstlergesellschaft
1982 Preisträgerin der Mosbach-Stiftung, Offenbach
2002 Preisträgerin der Heussenstamm-Stiftung, Frankfurt
Adresse
Brüder Grimm Str. 13
63179 Obertshausen
06104 - 42077
GENÄHRT MIT GLÜHGAS UND ELEKTROSMOG
Ursula Zepters Stadt-Kosmos mal inside-out, mal outside-in
Wie bei
den Schriftstellern, so gibt es auch bei den bildenden Künstlern
einerseits die Landschafts- und Natur-Fraktion, andererseits die
Vertreter einer betont urban-zeitgenössischen Thematik. Ursula Zepter
zählt zweifellos zu den letzteren. Es hat seine Logik, daß es die Mittel
der Mischtechnik - Acryl- und Pastellfarben, Graphit für zeichnerische
Einsprengsel, collagierte Papiere und Pappen - sind, mit denen sie einer
selber hybriden Wirklichkeit auf den Leib rückt. Eine Wirklichkeit, bei
der die schier regellos aus Altem und Neuem verquirlte
Großstadtszenerie im Zentrum steht. Im Zentrum, aber wie exzentrisch!
Die Verhältnisse sind zum Tanzen gebracht auf diesen Bildern, in die
sich der stabilitätsschaffende rechte Winkel eher durch Versehen mal
hineinverirrt. In jähen Diagonalen und Kurven lehnen und schlängeln sich
die Gebäude über die Fläche, unten abgeschnitten, als wären sie jedes
Fundaments beraubt, als hätten sie es längst vergessen in ihrem Fieber
des Aufwärtsstrebens, um die Wette mit Treppen, Pfeilen, Wimpeln, Zebra-
und Mittelstreifen, Schlagbäumen, Ampeln, Antennen, Gerüsten, ganzen
sich aufbäumenden Stadtautobahnen, in die violettblaue Sphäre des Monds
und der Sterne hinein. Vom Aufwärtssog lassen sich sogar die Fenster
mitreißen und brechen los aus den Fassaden von Patriziervillen ebenso
wie Bürofestungen.
Sind Ursula Zepters oft treffend „Stadt-Kosmos"
betitelte Agglomerate selbständig, ja selbsttätig gewordener
Detailformen zu verstehen als Kritik an einer Gesellschaft, deren
hektischer Fortschrittswahn und geistige Orientierungslosigkeit sich im
Karussell der entfesselten Großstadtarchitektur nur spiegelt? Vorsicht
ist geboten vor Einseitigkeit. Denn schließlich ist es nicht Tristesse,
was uns überkommt angesichts der neo(n)-babylonischen Auftürmungen mit
ihrer Dynamik, ihrer Aufgekratztheit, ihrer Signalfarbigkeit, deren
Lautstärke jedoch, bevor sie zu schrill ins Auge sticht, geschickt
abgedämpft ist durch Einbettung in reich abgestuftes Grau. Diese Malerei
kann munterer machen als eine Line Koks. Sie ist von einer
Sinnlichkeit, die den Betrachter durch Wechselbäder heißer und kühler
Wallungen jagt. Sie wartet auf mit Innenräumen, so zum Knistern geladen
mit Spannungen, daß man die abwesenden Bewohner samt psychischer
Befindlichkeit nicht vermißt. Dann gibt es Stilleben bizarr züngelnder
Tropenpflanzen, die wirken, als seien sie, statt Mineralien und Wasser,
genährt mit Glühgas und Elektrosmog. Und schließlich die imaginären
Porträts weiblicher Scene-Typen, von einer Erotik, gleichzeitig zackig
und schwül, hemmungslose Unterwerfung anbietend oder einfordernd, aber
nichts dazwischen!
Es scheinen exakt die Bürger jener betont
anti-idyllischen Lebenswelten, die für diese Künstlerin charakteristisch
sind. Und die sich doch aufladen lassen mit „persönlichen Metaphern",
wie die Serie „Inside out - outside in" mit dem halb sehnsüchtigen, halb
ominösen Wirklichkeits-Gegenentwurf von Pyramiden, Mumienpaaren und
Stundengläsern voll rinnendem Wüstensand zeigen.
Zuletzt hat Ursula Zepter dem Thema Großstadt - und das ist bei ihr,
stellvertretend, immer Frankfurt, Hanau, Offenbach - eine neue
technische Note gegeben. Auf digitalem Wege miteinander gekreuzte Fotos
von realer und von gemalter (jedoch durch Eincollagiertes sehr wohl
selber im Realitätsgrad gesteigerter) Stadtszenerie überlagern einander.
Im Gesamteffekt einer Doppelbelichtung wetteifern Gebäude, Fahrzeuge,
Verkehrslichter, Bäume und Straßen bzw. Formen und Strukturen, ohne daß
die Komponenten so unterschiedlicher Herkunft sich gegenseitig
eindeutige Rollen von Vorder- und Hintergrund zuweisen. Es bleibt dem
Betrachter überlassen, sich auf den rätselhaft ungewohnten Raum, der ihm
da suggeriert wird, seinen eigenen Reim zu machen, sich schöpferisch in
Bildordnung und -wirklichkeit einzumischen. Wenn die Urheberin von dem
„ganz schön aufwendigen Entwicklungsprozeß" spricht, ist die Rede zwar
nur von ihrer neuen Technik. Sie könnte damit freilich ebenso gut ihren
30 jährigen künstlerischen Weg mit seinen unverwechselbaren Resultaten
meinen.
© Roland Held
Ursula Zepter hat ihren eigenen unverwechselbaren Stil.
Bekannt
sind ihre Um-Bruch-Bilder von Offenbach und die Skyline-Bilder von
Frankfurt. Sie hat eine konsequente Werkentwicklung vorzuweisen. Ihr
Werk besitzt einen hohen Wiedererkennungswert. Aus ihm spricht ein
frisches, zeitgenössisches Lebensgefühl, das auf subtil-ironische Weise
auch Gesellschaftskritik zum Ausdruck bringt. Ihr Schaffen ist
thematisch in einzelne Werkgruppen gegliedert, die sowohl von
handwerklichem Können als auch von abwechslungsreichem Einsatz der
bildnerischen Mittel geprägt sind..
Ihre Arbeiten wurden in
zahlreichen Ausstellungen, im In- und Ausland, sowie in mehreren
Katalogen dokumentiert.
© 2006 Dr. Roland Held (Kunstkritiker)
GRUPPENAUSSTELLUNGEN
| 1980 | Kunstverein Offenbach |
| 1982 | Velletri (Italien), im Tempietto di S. Maria del Sangue |
| Aschaffenburg, in der Jesuitenkirche • Cluj Napoca (Rumänien), Institutul de Arte | |
| 1990 | Galerie Reuss in Hanau |
| 1991 | Wien/Mödling (Österreich), Galerie der HTL |
| Frankfurt, im Künstlerhaus Mouson-Turm, (Ausgerechnet Banane) | |
| 1992 | Städtische Galerie Offenbach/Main |
| Frankfurt Commerzbank (Katalog, das Gelbe vom Geld) | |
| Ausschreibung: Förderpreis der Stadtsparkasse Karlsruhe, (Computer Grafik) | |
| Karmeliterkloster, Frankfurt • Hessische Landesvertretung, Bonn | |
| Dresdner Bank, OF, (Mensch und Landschaft) | |
| 1995 | Galerie Gres, Frankfurt • Palmengarten, Frankfurt • Paulskirche, Frankfurt |
| 1997 | Galerie 69, Hanau • Galerie im Turm, Energieversorgung OF, Offenbach |
| Galerie am Künstlerhaus, Karlsruhe • Galerie der Farbwerke Hoechst, Frankfurt | |
| Galerie BBK, Berufsverband Bildender Künstler, Frankfurt | |
| BBK Frankfurt, „Zeitgleich“, Künstler öffnen ihre Ateliers | |
| 1998 | Galerie KunstWerk, Frankfurt • Galerie im Turm, Energieversorgung OF, Offenbach |
| 1999 | Ravensburger Spinnerei, Bielefeld (BBK) • Kunst-Station, Klein-Sassen (BBK) |
| Salon Brenner, Offenbach • Ledermuseum, Offenbach • Galerie 69, Hanau | |
| Tendence, Messe Frankfurt • Galerie im Turm, Energieversorgung OF | |
| 2000 | Galerie im Turm, Energieversorgung OF • Galerie 69 KunstRaum, Hanau |
| Galerie KunstWerk „KunstWerk - Aktuelle Positionen der Bildenden Kunst“, | |
| Holzhausen Schlößchen, Frankfurt (Katalog) • European youth circus, Rathaus Wiesbaden | |
| 2001 | Druckwerkstatt im Gutenberg Museum, Mainz |
| Galerie im Turm, Energieversorgung OF • Messehallen, Offenbach | |
| 2002 | Galerie Kunstraum 69, Hanau • Galerie Kreuzer, Amorbach • Galerie im Turm, EVO Offenbach |
| Bunkier Sztuki, Krakau • Kunstforum Seligenstadt • Galerie KunstWerk, Wiesbaden | |
| 2003 | Galerie im Hof, Groß-Umstadt |
| 2004 | Städtische Galerie NanXingGe, Gouangzhou/China |
| Stadtmuseum, Offenbach | |
| 2005 | Kunstansichten, Offenbach |
| Galerie Kunstraum 69, Hanau | |
| 2006 | Museum Giersch, Frankfurt |
| Haus der Stadtgeschichte, Offenbach (Katalog) | |
| 2007 | KunstLanding, Aschaffenburg |
| Kunstpreis der Stadtsparkasse, Karlsruhe (Auswahl der Besten) | |
| Heussenstamm-Stiftung, Frankfurt (Katalog) | |
| Remisengalerie/Philippsruhe, Hanau | |
| 2008 | Museum of Art, Guangzhou, China (Katalog) |
| Kunstforum, Seligenstadt | |
| Kulturverein Hanau, Bouxwiller/Frankreich | |
| 2009 | Remisengalerie/Philippsruhe, Hanau |
| Kunstansichten, Offenbach | |
| DPD-Galerie, Aschaffenburg | |
| Kunstverein Eisenturm, Mainz | |
| 2010 | Städtische Galerie, Speyer |
EINZELAUSSTELLUNGEN
| 1983 | Fotografien im Schloß Heusenstamm |
| 1991 | Städtische Galerie Offenbach |
| 1992 | Museum Hanau, Schloß Philippsruhe (Katalog) • Kunstforum Seligenstadt |
| 1993 | OFf-Galerie, Offenbach/Main |
| 1994 | Museum der Stadt Kusel |
| 1995 | Kunstverein Offenbach, (Um-Brüche) |
| 1996 | Galerie der Energieversorgung OF, Offenbach |
| 1998 | Galerie Kvetinovsky, Darmstadt/Weiterstadt |
| Galerie BBK, Berufsverband Bildender Künstler, Frankfurt | |
| 1999 | Werkstatt-Museum „Karl-Mayer-Haus“, Obertshausen • Dessau, Klub im Bauhaus |
| Galerie KunstWerk, Frankfurt | |
| 2000 | Galerie Art-Feeling, Offenbach |
| 2001 | Art-Galerie Keller, Lampertheim |
| 2002 | Galerie Kunstraum 69, Hanau • Heussenstamm-Stiftung, Frankfurt |
| 2004 | Galerie Salon Brenner, Offenbach |
| Galerie Zwischen-Zeit, Neu-Isenburg | |
| 2005 | Galerie im Turm, Offenbach |
| Galerie Kunstraum 69, Hanau | |
| 2006 | Remisengalerie, Hanau/Philippsruhe |
| 2008 | Galerie Heussenstamm-Stiftung, Frankfurt |
| Galerie Salon 13, Offenbach | |
| 2010 | Haus der Stadtgeschichte, Offenbach (Katalog) |
