
Zoller, Ralph
Vita
30.05.1965, Erlangen
1985 Fachhochschulreife
1985-1995 Studium, Akademie van beeldenden Kunsten in Rotterdam (Niederlande) und an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main
In Rotterdam: Malerei bei Jos van Meerendonk und Jaap van den Enden, freie Grafik und Zeichnung bei Cees Spermon.
In Offenbach: freie Zeichnung bei Manfred Stumpf, Malerei bei Adam Jankowski und Konzeptionelle Gestaltung bei Ruedi Baur (Leipzig/Paris).
Seit 1995 freischaffender Künstler
Seit 2001 in der Erwachsenenbildung tätig
2002 Initiator und Gründungsmitglied Kunst-Raum-Mato
2003 Mitglied im Bund Offenbacher Künstler
Adresse
Am Entensee 79
63075 Offenbach/M.
Tel.: 069- 86 46 23
Atelier
Mato-Fabrik
Bieberer Straße 215-217
63071 Offenbach am Mai
Tel.: 069- 87 36 28
Eröffnugnsrede in der Galerie Kunstraum 69, Hanau
Stadtrandansichten -19. 6. - 10. 7. 2005
Unter dem Titel „Stadtrandansichten" hat Ralph Zoller Bilder zusammengefasst, deren Motive er am Offenbacher Stadtrand sammelt. Den Stadtrand, die Peripherie der Stadt, kennen wir als Gegensatz zum pulsierenden Leben des Stadtzentrums. Der Stadtrand wirkt dagegen regellos, zufällig und unvermittelt in seinen Übergängen. Dort befinden sich keine Prunkbauten, keine Alleen und Prachtstraßen, keine aufwendig gestalteten Parkanlagen und Plätze und keine schönen Bürgerhäuser mit Säulen und Erkern. Am Stadtrand wohnten die kleinen Leute. In der Geschichte der Stadtplanung nimmt die Gebäudehöhe zum Stadtrand hin ab. Einheitliche Wohnblocks, Schrebergärten, Bolzplätze, selbst gezimmerte Holzhütten. Da werden Kisten gelagert, die Wohnblocks dahinter sehen aus wie gelagerte Kisten. Aus Nützlichkeit so geworden, nicht willentlich Gestaltet, erkennbare wiederkehrende Muster. Der Stadtrand ist ein spannendes Thema und besitzt Anziehungskraft, und was entdecken wir in den Bildern von Ralph Zoller? Erste Stadtrandmotive malt Ralph Zoller 2000, sie sind auch hier in der Ausstellung vertreten. Der „Stadtrand" ist bis heute auch für Ralph Zoller in seinem künstlerischen Schaffen immer wieder Thema. Etwas Besonderes ist das Thema für Ralph Zoller auch, wie er selber sagt, weil die Bilder ganz frei ohne vorgegebenen Druck eines Auftrages in seinem Atelier entstehen. Und wie alle Künstler, kennt auch Ralph Zoller diesen existentiellen Druck sehr gut. Die Bilder entstehen mit viel Gespür und Überzeugung. Es erfüllt ihn mit Stolz und Bestätigung, dass diese Bilder bereits in mehreren Ausstellungen einem breiten Kunst interessierten Publikum unter anderem im Marburger Kunstverein präsentiert wurden. Wer die Ausstellung in Marburg gesehen hat, wird heute hier in dieser Ausstellung neue Bilder entdecken können. Im Zentrum von Zollers Bildwelten steht die menschliche Behausung als kulturelles sichtbares, lokales Zeichen des Menschen. In dieser Lebenswelt ist der Mensch immer anwesend, auch wenn Ralph Zoller in seinen Stadtrandbildern keine menschlichen Figuren malt. Schauen wir uns dies näher an. Mit einem distanzierten, vielleicht auch staunenden Blick sieht er am Stadtrand Grundstücke eingezäunt mit gestapelten Kisten und Kasten, eine Wohnhaussiedlung im Hintergrund. Die Wohnungen in dem Wohnhausblock, sind gestapelt wie die Kisten im Vordergrund. Gestapeltes Wohnen. Ein Baum ohne Laub auf wüstem Land. Der Blick in die Ferne, keine heitere Auflösung, wir sehen ein Hochhaus. Wir erkennen, eine deutende Wechselbeziehung des Vordergrundes zum Bildhintergrund. Das ist Spannung in Zollers Bildaufbau, der wir auch in den weiteren Bildern in unterschiedlicher Weise immer wieder begegnen. Als Vorlage dienen Ralph Zoller in der Regel Farbfotos, die er bei seinen Streifzügen am Offenbacher Stadtrand knipst. Im Atelier, wenn Ralph Zoller an seiner Bildserie arbeitet, liegen Fotos an Fotos auf dem Boden, Motive von Lauben mit angrenzenden Gärten, Wohnhäusern und Industrielandschaften. Ich hatte bei dieser Fotoansammlung unweigerlich den Eindruck, ein Forscher ist am Werk. Die Funde über menschliche Behausungen und Hinterlassenschaften am Stadtrand sind nahezu unerschöpflich. Der Künstler hatte hier gesammelt, worauf wir keinen Blick richten. Ralph gefiel dieser Vergleich, ein Beobachter und Forscher zu sein; und ihm fiel das bekannte Düsseldorfer Fotografenehepaar Bernd und Hilla Becher mit Ihren Aufnahmen von Industriebauten und Häusern ein. Bei Zoller passiert die künstlerische Umsetzung mit Farbe auf Leinwand. Ralph Zoller überlässt bei seiner Arbeit nichts dem Zufall. Im Werkprozess fotografiert, zeichnet, notiert und sammelt er. Erst im Atelier vergleicht er, bringt es in Struktur und wählt aus. So definiert Ralph Zoller im künstlerischen Prozess die reale Welt von Wohnwagen, Lauben, Wohnanlagen am Stadtrand neu. Bezugspunkte wie Größenverhältnisse verdichtet er, löst sie auf. Farbflächen teilen das Bild und führen es doch zusammen. Farbe und Linie ordnen die Dinge und ergeben ein eigenes immer wiederkehrendes Muster. Laube, Wohnwagen, Wohnhausblock malt Ralph Zoller auf und hinter Farbflächen. Abstraktion. Das Konkrete wird sichtbar. Der Stadtrand, das Haus werden Symbole, Archetypen; und in diesem Sinne Ort aber auch Schutz für Gedanken und Gefühle. Und was sehen Sie? Schauen Sie neugierig die Bilder in der Ausstellung an und lassen Sie Ihre eigenen Bilder bei der Betrachtung entstehen.
Susanne Jäger M. A. Kunstwissenschaften
Gruppenausstellungen: (Auswahl)
| 1992 | „de andere Kant“, Stichting Bad, Rotterdam, (Brochur) |
| 1993 | „Zeitgenössische Malerei und Skulptur in Franken 1993“, Schloß Weissenstein Pommersfelden, (Katalog) |
| 1997 | „Dachsbacher Kulturtage“, Kunst und Kultur e.V. Neustadt/Aisch, (Katalog) |
| 1998 | „150 Jahre Bürgerliche Revolution", Kunstverein Coburg, (Katalog) |
| „20. Hollfelder Kunstausstellung“, Stadt Hollfeld, (Katalog) | |
| 1999 | „Zeitgenössische Malerei und Skulptur in Franken 1999“, Schloß Weissenstein Pommersfelden, (Katalog) |
| 2000 | „22. Hollfelder Kunstausstellung“, Stadt Hollfeld, (Katalog) |
| 2001 | „jetztkunst“-Eröffnungsausstellung, „Z-Bau“, Nürnberg |
| 2002 | „extrakt 2002", Initation und Organisation der temporären Prodzentengalerie, Offenbach |
| 2003 | KUNST RAUM MATO Eröffnungsausstellung |
| „Selbst – im weitesten Sinn", Jubiläumsausstellung – 50 Jahre Kunstverein Marburg, (Katalog) | |
| 2004 | „wunderbare Großstadt“, Haus der Stadtgeschichte, Offenbach |
| 2005 | „von Dir zu Tier“, KUNST RAUM MATO, Offenbach |
Einzelausstellung: (Auswahl)
| 2004 | „Die digitale Narrenkappe“, Kunstverein Erlangen |
| 2004 | „Stadtrandansichten“, Galerie Salon-Brenner, Bund Offenbacher Künstler |
| 2004 | „at home and abroad“, Galerie KUNST RAUM MATO, Offenbach |
| 2003 | „Strandbilder“, Galerie „artrent“, Frankfurt |
| 2005 | „Strandbilder“, Galerie „artrent“, Frankfurt |
| 2005 | „Stadtrandansichten“, Galerie Kunstraum 69, Hanau-Großauheim |
| 2005 | Galerie KUNST RAUM MATO: in der Ausstellungsreihe „Doppelpass“ zeigen Ralph Zoller und Martin Vosswinkel: Malerei |
Projekte:
| 2003 | „Zirkus“, Mobile Wandbilder mit begehbarer Bühne für eine Kinderarztpraxis |
| 2004 | „Fußball“, Wandbilder für einen Schulhof |
| 2005 | „Sands“, Großformatige Bilder für das Hotelrestaurant „Crown-Plaza Cologne“ |
