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80 Jahre Bund Offenbacher Künstler – Stationen einer bewegten Geschichte

Von Hilke Peckmann

Der Bund Offenbacher Künstler (BOK) wird durch die Werke und die kulturellen Aktivitäten seiner über vierzig Mitglieder weit über das Rhein-Main-Gebiet hinaus wahrgenommen. Seine feste Verankerung im Offenbacher Kulturleben wäre nicht ohne die zurückliegende achtzigjährige Geschichte denkbar, die in ihrem ganzen Umfang zwar noch nicht geschrieben ist, im folgenden aber in ihren Grundzügen dargelegt werden soll. Zusätzlich zu dem im Haus der Stadtgeschichte kontinuierlich gesammelten Material wurden erstmals die im vorigen Jahr aus dem Nachlaß Erich Martins der Stadt übergebenen Sitzungsprotokolle und Mitgliederlisten der Jahre 1926 bis 1932 ausgewertet.

Die Anfänge bis zur Gründung

Seit seiner Gründung im Jahre 1907 hatte sich in Offenbach der Verein für Kunstpflege aktiv um eine Verbesserung der Arbeits- und Ausstellungsbedingungen der ansässigen Künstler bemüht. Zu den Mitbegründern zählte der Schriftkünstler Otto Reichert (1883-1956), der bereits in jener Funktion begann, Bedingungen für das Entstehen des Bundes Offenbacher Künstler (BOK) zu schaffen. Der Verein für Kunstpflege hatte noch vor dem Ersten Weltkrieg in enger Zusammenarbeit mit den Dozenten der Technischen Lehranstalten (der heutigen Hochschule für Gestaltung) in Offenbach Vorträge zur Kunst sowie auch Ausstellungen organisiert. Ebenso war bereits in unmittelbarer Nähe der Technischen Lehranstalten eine Beratungsstelle für künstlerische Anliegen im Isenburger Schloß eingerichtet worden. (1) Zwei Dozenten der Technischen Lehranstalten, die eine wichtige Rolle in der Gründungszeit des BOK spielen sollten, waren ebenfalls in die Arbeit des Vereins eingebunden: Der Leiter der Bildhauerklasse Karl Huber (1872-1952) zählte zu dessen Vorstandsmitgliedern und Richard Throll (1880-1961), Leiter der Klasse für Dekorationsmalerei, beteiligte sich bereits 1914 mit seiner damaligen Malklasse an der vom Verein noch ganz im Sinne der Lebensreformbewegung ausgerichteten Ausstellung Gut und Böse – Gegenüberstellung guter und schlechter Gebrauchsgegenstände. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Förderung der Offenbacher Künstler entscheidend von dem Lehrer und Vorsitzenden des Naturkundevereins Dr. Hans Rill (1882-1962) unterstützt, der später – von 1950 bis 1957 – den Vorsitz des BOK übernehmen sollte. Ein im Archiv des Hauses der Stadtgeschichte aufbewahrter Brief, den Rill 1961 rückblickend an den Magistrat der Stadt Offenbach schrieb, besagt, dass er bereits ab August 1919 die im Isenburger Schloß allwöchentlich stattgefundenen Treffen der Künstler veranstaltet habe, „wo über künstlerische Arbeiten und die Möglichkeit des Verkaufs gesprochen wurde“.
Im Jahre 1922 organisierte der Verein für Kunstpflege in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft für bildende Kunst in Darmstadt die Ausstellung hessischer Künstler in Offenbach in der Villa Pfaltz. Dort waren neben Huber, Throll und Reichert mit Ludwig Enders (1889-1956), Lehrer der Fachklasse für Gebrauchsgrafik an den Technischen Lehranstalten, und Rudolf Koch (1876- 1934), Lehrer in der dortigen Fachklasse für Schrift, zwei weitere spätere BOKMitglieder des Gründungsjahres 1926 beteiligt. Die Offenbacher Künstler nutzten den Erfolg dieser Ausstellung, um noch im gleichen Jahr 1922 – ebenfalls in der Villa Pfaltz – eine Weihnachtsverkaufsausstellung zu organisieren. Dort trat die Gruppe erstmals unter den Namen Bund Offenbacher bildender Künstler auf. Es sollte jedoch noch vier weitere Jahre dauern, bis mit der eigentlichen Gründung des BOK für die Offenbacher Künstler eine Institution geschaffen war, mit der die Möglichkeit bestand, öffentlich als Gruppe aufzutreten und in regelmäßig organisierten Ausstellungen Werke zu präsentieren und verkaufen zu können.

Die frühen Jahre des BOK

Holzschnitt von Hedith Wecker, aquarelliert, Haus der Stadtgeschichte Offenbach

Hedith Wecker
Eisvogel, um 1930, Holzschnitt, aquarelliert, Haus der Stadtgeschichte Offenbach

Die Gründungsversammlung des BOK fand am 15. Dezember 1926 im Restaurant Thannhäuser in Offenbach statt. Durch die jüngst der Forschung zugänglich gemachten Protokolle der Mitgliederversammlungen aus der Zeit von 1926 bis 1932 aus dem Nachlaß Erich Martins sind nicht nur das genaue Gründungsdatum, sondern auch die Namen der ersten Mitglieder und die anfänglichen Aktivitäten des BOK bekannt geworden. Neben Karl Huber, Richard Throll und Otto Reichert waren die Künstler Oswald Ammersbach (1889-1956), Karl Appel (1904- 1983), Paul Arnoul (1901-1946), Adolf Bode (1904-1970), Wilhelm Gast (1872-1956), Erich Martin (1905-1977) und August Ziegler (1883- 1949) sowie als Geschäftsführer der Kaufmann Fritz van Wtberghe anwesend.
Ausgesprochenes Ziel der Versammlung war es „nach jahrelanger Pause wieder positiv an einem Zusammenschluß der Offenbacher Künstler zu arbeiten“ und „den Verein unter dem Namen: „Bund Offenbacher Künstler“ später in das Vereinsregister eintragen zu lassen“. Zum 1. Vorsitzenden wurde Huber und zum 2. Vorsitzenden Throll gewählt. Der Mitgliedsbeitrag wurde vorläufig auf sechs Mark festgelegt. Man beschloss, noch im gleichen Monat eine Verkaufsausstellung in die Wege zu leiten. Diese fand in der Aula der Technischen Lehranstalten statt.

von Oswald Ammersbach, Elfenbein, Haus der Stadtgeschichte Offenbach

Oswald Ammersbach
Weiblicher Akt, 1928, Elfenbein, Haus der Stadtgeschichte Offenbach


Regelmäßig Bilder verkaufen zu können, war den Künstlern ein wichtiger Grund für die Vereinsgründung gewesen. Wirtschaftliche Vorteile durch die Gründung des BOK ergaben sich für die Mitglieder auch durch dessen Einreihung in den Hessischen Verband des Wirtschaftsbundes Deutscher Künstler.
Die Besprechung der ersten Ausstellung des BOK in der Offenbacher Zeitung vom 20. Dezember 1926 macht deutlich, dass die Werke der verschiedenen Mitglieder eine große Bandbreite an Qualität und Stilen zeigten. Lobend werden einzelne Künstler wie Appel, Martin, Richard Martin Werner (1903-1949) und Karl Friedrich Lippmann (1883-1957) herausgehoben. In der Beurteilung einer Arbeit Karl Hubers, die bereits bekannt gewesen sei, äußerte die Presse scharf, „dass er sich überholt hat“. Hier deutet die damalige Kunstkritik bereits auf einen wenig später innerhalb des BOK stattfindenden Generationenkonflikt hin. Der Artikel weist außerdem mit Otto Reichert und dem im Gründungsjahr einzigen weiblichen Mitglied Hedith Wecker (1898-1974) auf die Reihe der Kunstgewerbler hin, die im BOK von Anfang an einen festen Platz hatten. Einige der Maler im BOK, die zum großen Teil als Schüler von Richard Throll an den Technischen Lehranstalten auch dessen private Malklasse besucht hatten, waren in der Gründungszeit des BOK gerade erst dabei, sich als freie Künstler in Offenbach zu etablieren. Hierzu zählen vor allem die Maler Adolf Bode, der bereits den Stadtrand als Lieblingsmotiv entdeckt hatte, sowie Paul Arnoul und Erich Martin, die beide auch Malunterricht bei Reinhold Ewald an der Kunstakademie in Hanau genommen hatten. Throlls Schüler Hans Antlitz (1902-1978) wurde 1927 Mitglied im BOK, nachdem er von seinem Studienaufenthalt in Rom nach Offenbach zurückgekehrt war. Im Jahre 1929 wurde Ludwig Plaueln (1910-1971), der bis 1928 Schüler Throlls gewesen war, Mitglied im BOK. Auch die Bildhauerklasse von Karl Huber hat mit Richard Martin Werner einen erfolgreichen Künstler hervorgebracht.

 

 

 

Tempera auf Karton von Richard Throll, Haus der Stadtgeschichte Offenbach

Richard Throll
Blumentisch, 1931, Tempera auf Karton, Haus der Stadtgeschichte Offenbach

Werner war ab dem Gründungsjahr 1926 Mitglied im BOK und damals bereits Meisterschüler Richard Scheibes an der Städelschule in Frankfurt.
1927 wurde dem BOK am Aliceplatz 7 von der Stadt für zunächst drei Jahre ein Ausstellungsraum unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Dieser Raum sollte dem BOK bis in die 30er Jahre hinein erhalten bleiben; zuletzt unter der – nach der nationalsozialistischen Machtergreifung – in Horst-Wessel- Platz 7 umbenannten Adresse. Verkaufs- und Sonderausstellungen des BOK, wie die Schwarz-Weiß-Ausstellung von 1929, fanden dort statt. Auch auswärtige Künstlervereinigungen, unter anderem die Darmstädter Posch-Gruppe, konnten hier ausstellen.

In den Jahren 1927/28 wurde eine Gruppe junger Offenbacher Künstler von der Stadt unterstützt, indem sie in neu errichteten Wohnhäusern in der Bach- und der Friedensstraße für eine geringe Miete in den Dachgeschossen Atelier- und Wohnraum zur Verfügung gestellt bekamen. Antlitz, Appel, Arnoul, Bode, Martin, Wecker und Werner lebten und arbeiteten hier fortan nahe beieinander. Auch der Maler Gottfried Richter (1904-1968), der wegen anfänglicher Streitigkeiten erst nach 1932 Mitglied im BOK wurde, war unter den ersten Künstlern, die dorthin zogen. Oswald Ammersbach, der damals bereits in seinem malerischen und bildhauerischen Werk zu einem expressiven Stil gefunden hatte, wohnte in der benachbarten Friedrichstrasse. Ab 1934 hatte außerdem der Maler Phillip Klöter (1891- 1961), der ebenfalls zu den ersten BOKMitgliedern gehörte, ein Atelier in der Bachstrasse. Nach dem Krieg zogen Plaueln und Fritz Volk (1915-1988), der 1933 Mitglied im BOK wurde, in diese Gegend. Die Künstler der Bachstrasse, die einen gewichtigen Teil der Mitglieder im BOK ausmachten, sind als Künstlerkolonie in die Offenbacher Kunstgeschichte eingegangen.

Öl auf Nessel von Adolf Bode, Haus der Stadtgeschichte Offenbach

Adolf Bode
Brückenbau, Bahnüberführung an der Bieberer Straße, 1927, Öl auf Nessel, Haus der Stadtgeschichte Offenbach

Einige der jungen BOK-Mitglieder fühlten sich bald nach der Gründung von den ehemaligen Lehrern bevormundet und wehrten sich dagegen. Ab Oktober 1927 verzeichnen die Versammlungsprotokolle heftige Kritik an der aus den Mitgliedern des Vorstandes bestehenden Jury und an den Auswahlkriterien von Karl Huber. Dies führte dazu, dass der Jury im Folgejahr drei weitere Mitglieder des BOK zugeordnet wurden, die nicht dem Vorstand angehörten. Neue Jurymitglieder wurden die Maler Antlitz, Arnoul und Bode. Bei den Neuwahlen des Vorstandes im Januar 1928 wurden Huber und Throll zwar erneut gewählt, stellten sich jedoch nicht mehr zur Verfügung.
Die Mitgliederliste vom 1. April 1929 verzeichnet noch dreiundzwanzig ordentliche Mitglieder, deren Zahl sich jedoch bald darauf drastisch verringern sollte. Noch im gleichen Jahr kam es zu einer regelrechten Austrittswelle. Einige der talentiertesten Maler verließen für eine Weile den Verein. Arnoul hatte einen Protestbrief an den Vorstand geschrieben, in dem er beanstandete, „dass [mehrere Mitglieder] des Vereins nicht ausstellten und in eine andere Berufsgemeinschaft gehören“. Daraufhin traten die im Protokoll als „Offenbacher Gruppe“ bezeichneten Künstler Appel, Lack, Ammersbach, Martin und Werner gemeinsam mit Arnoul aus dem BOK aus. Da zu dieser Zeit auch Bode, der sich zu einem Studienaufenthalt in Paris aufhielt, fehlte, waren nun bis auf Antlitz, Plaueln und Wecker keine der Bachstraßenkünstler mehr im BOK aktiv. Ammersbach trat allerdings schon im folgenden Jahr wieder ein. Im April 1930 wurde Hans Gutgesell (1902- 1974), der fortan künstlerisch sehr tätig war, in den BOK aufgenommen. Bei der Neuwahl des Vorsitzenden im Mai 1932 wurde Richard Martin Werner gewählt. Das Protokoll der gleichen Sitzung verzeichnet den Eintritt des in Offenbach geborenen Malers Theo Garvé (1902-1987), eines Schülers Max Beckmanns, der neue malerische Impulse brachte. Im Juli 1932 wurde die Satzung dahingehend geändert, dass fortan auch Künstler, die nicht in Offenbach geboren oder tätig waren, aufgenommen werden konnten. Tagespunkt der Vorstandssitzung vom 5. Dezember 1932 war die Feststellung eines nicht näher erläuterten „vereinsschädigenden Verhaltens“ der Mitglieder Ammersbach und Ziegler sowie deren Ausschluß aus dem BOK. Die überlieferten Protokolle der Mitgliederversammlung des BOK enden mit diesem Termin und mit ihnen auch für die nächsten dreizehn Jahre das bis dahin demokratisch geführte Abstimmungsverhalten bei der Wahl der Vorsitzenden. Bei der Besprechung der Weihnachtsausstellung in der Offenbacher Zeitung vom 1. Dezember 1932 treten von den ursprünglichen Mitgliedern der ersten Gründungsjahre nur noch Otto Reichert, Richard Martin Werner und Hans Antlitz in Erscheinung. In den folgenden Jahren sind die Maler der Offenbacher Gruppe allerdings ohne Ausnahme wieder in den Ausstellungen des BOK vertreten.

1933-1945. Jahre der Repression, der Anpassung und des Widerstandes

Feder auf Papier von Erich Martin, Haus der Stadtgeschichte Offenbach

Erich Martin
Hommage à Charles Baudelaire, 1936, Feder auf Papier, Haus der Stadtgeschichte Offenbach

Künstlervereinigungen umliegender Städte wie die Darmstädter Sezession, der auch Erich Martin angehörte, oder der Frankfurter Künstlerbund wurden 1933 im Zuge der Gleichschaltung aufgelöst. Der BOK in Offenbach blieb dagegen bestehen. Aus dem bereits erwähnten Brief von Hans Rill aus dem Jahr 1961 ist zu erfahren, dass nach Ostern 1933 durch Verfügung des Regierungspräsidenten in Darmstadt die Leitung des Vereins an Hans Antlitz übertragen wurde. Rill schreibt außerdem, dass er in dieser Zeit Antlitz bei den Geschäften als Vereinsleiter unterstützt habe.

Die BOK-Mitglieder mußten sich der Kulturpolitik des nationalsozialistischen Staates fügen. Sie zogen sich auf unverfängliche Sujets wie das Landschaftsbild oder das Stilleben zurück. Einige Künstler konnten ihr Werk nahezu unverändert fortführen, andere waren unter dem Verlust ihrer künstlerischen Eigenständigkeit zur Anpassung gezwungen und verloren dabei auch den Anschluß an die internationale Moderne. Künstler wie Erich Martin hatten diesen Weg bereits hoffnungsvoll beschritten. Der politische Druck auf Martin war ab 1933 so groß, dass er aus Angst vor Repressalien gegen sich und seine Familie bis auf zwei Arbeiten sein gesamtes abstraktes Werk vernichtete und fortan nur noch gegenständlich malte. Seine Anpassung nach außen war so erfolgreich, dass er in den Ausstellungsrezensionen der damaligen Presse gemeinsam mit seinen Malerkollegen regelmäßig gelobt wurde und gleichzeitig in seinem privaten zeichnerischen Werk Kritik am politischen Regime üben konnte. Die symbolhafte Bildsprache seiner Zeichnung Hommage à Charles Baudelaire von 1936 hat den „Zusammenprall von Schönheit morbider Hässlichkeit“ zum Thema, wie er in Baudelaires Dichtung Fleur du Mal (Blumen des Bösen) angelegt ist. Die Andeutung eines Hakenkreuzes im Vordergrund wird als Protest gegen das Regime gelesen. (2)

Öl auf Nessel von Erich Martin, Privatbesitz

Erich Martin
Komposition auf dunklem Grund II, 1930, Öl auf Nessel, Privatbesitz

Einige der Künstler des BOK erlangten um 1940 einen zweifelhaften Ruhm. Der Bildhauer Richard Martin Werner erhielt beispielsweise für seine am Idealbild der klassischen Antike orientierten Skulpturen höchste Anerkennung durch das Regime. Auf der Großen Deutschen Kunstausstellung 1938 in München erwarb Adolf Hitler zwei von Werner geschaffene Figuren. (3)
Viele Rezensionen der damaligen Presse belegen eine starke propagandistische Vereinnahmung der vom BOK ausgerichteten Ausstellungen, die ab 1934 auch in der Stadtbücherei stattfanden. Auch ein im Archiv des Hauses der Stadtgeschichte aufbewahrter Brief vom 15. Juli 1941 an Hans Rill bestätigt eine solche Vereinnahmung der Offenbacher Künstler. Darin bittet ihn der Offenbacher Kreiswart des Deutschen Volksbildungswerkes darum, „in dem Schaufenster [seiner] Verkaufsstelle in der Herrnstraße propagandistische Ausstellungen des „Offenbacher Künstlerbundes“ zu veranstalten.“

In den letzten Kriegsjahren gingen einige der Künstler des BOK in den politischen Widerstand. Ludwig Plaueln, der wie Erich Martin zu den politisch linksorientierten Künstlern zählte, verteilte regimefeindliche Flugblätter und brachte Protestparolen an öffentlichen Plätzen in Offenbach an. Um einer Verhaftung durch die Gestapo zu entgehen, mußte er sich daraufhin außerhalb der Stadt Offenbach im Wald verstecken und erlebte dort das Kriegsende. (4)

Neuordnung nach 1945

Öl auf Leinwand von Ludwig Plaueln, Haus der Stadtgeschichte Offenbach

Ludwig Plaueln
Selbstporträt, 1942, Öl auf Leinwand, Haus der Stadtgeschichte Offenbach

Nach Kriegsende wurde das Offenbacher Kulturleben von der amerikanischen Militärregierung neu gestaltet. Bereits im Mai 1945 entstand ein Ausschuss, der mit dem Wiederaufbau des Kulturlebens betraut wurde. Für den Bereich der bildenden Kunst wurde Ludwig Plaueln eingesetzt. Vorrangiges Ziel für Plaueln war neben der Wiedereröffnung der Kunstgewerbeschule die Zusammenfassung der freischaffenden Künstler in Offenbach, um wieder ein geregeltes Ausstellungswesen entstehen zu lassen. Im September 1945 fand deren erste Ausstellung im Haus Dreieichring 24 statt. Bereits im Oktober desselben Jahres wurde mit Plaueln, Ammersbach und Martin ein neuer Vorstand des wiedereingerichteten BOK gewählt.
Plaueln behielt den Vorsitz des BOK nur für kurze Zeit. Bereits 1946 trat er wegen interner Streitigkeiten zurück und kündigte gleichzeitig seine Mitgliedschaft auf. Später beteiligte er sich aber wieder an den Ausstellungen. Nach Plaueln war bis 1947 Hans Schulze (1914-2003) dessen Vorsitzender.

In den 50er Jahren kam es zu einer starken Beteiligung einiger Offenbacher Künstler an Frankfurter Ausstellungen. Mehrere BOKMitglieder nahmen in dieser Zeit sehr erfolgreich an den Weihnachtsverkaufsausstellungen im Frankfurter Römer teil. Erich Martin gehörte in dieser Zeit zu den wichtigsten Gestaltern des Frankfurter Kunstlebens der Nachkriegszeit. Er stellte in der Zimmergalerie Frank aus, die sehr früh abstrakte Kunst präsentierte, und wurde 1953 Mitbegründer der Frankfurter Sezession.

Die Ausstellungsmöglichkeiten für Künstler in Offenbach gestalteten sich in diesen Jahren eher schwierig. Die Offenbacher Presse berichtet in dieser Zeit von Streitigkeiten zwischen Künstlern und Öffentlichkeit. Im Dezember 1951 kam es sogar zu einer Tätlichkeit des Malers Bode, die von der Offenbach-Post zweideutig als „bode-nlos unanständig“ bezeichnet wurde. Bode hatte den Kunstkritiker Hans Mühlfelder in der Bahnunterführung an der Bachstraße tätlich angegriffen und beleidigt, nachdem dieser eine unliebsame Kritik veröffentlicht hatte.
1952 protestierten Ammersbach, Plaueln, Bode und Martin gegen das Konzept einer für November geplanten BOK-Ausstellung. Die Offenbach-Post desselben Jahres berichtete, dass die „vier Offenbacher Großen“ sich weigerten, an der Ausstellung teilzunehmen, weil dort auch BOKMitglieder ausstellen sollten, die keine Berufsmaler waren. Sie bemängelten außerdem, daß der Kulturfonds der Stadt immer mehr zu einem Wohltätigkeitsfond absinke. Die Ausstellung wurde abgesagt. Die Stadt Offenbach bildete daraufhin eine Kommission, die in den Folgejahren den Ankauf von Werken Offenbacher Künstler und die Ausrichtung von Ausstellungen übernahm.
In einem Brief aus dem Jahre 1954 an den Vorsitzenden Rill wurde seitens des Magistrats der Stadt Offenbach die Einsetzung einer Jury zur besseren Überwachung der Qualität der Arbeiten gefordert. Spätestens durch eine im Dezember 1956 in der neu hergerichteten Aula der Werkkunstschule (heute Hochschule für Gestaltung) präsentierte Ausstellung wurden jedoch vom BOK die gesetzten Maßstäbe erfüllt.

Die neuere Geschichte des BOK

Die Ausstellungen des BOK wurden noch bis Anfang der siebziger Jahre vom städtischen Kulturamt Offenbach veranstaltet. Als Ausstellungsort diente damals vor allem der kleine Saal des Theaters an der Goethestraße. Die erste wieder vom BOK selbst organisierte Ausstellung wurde im November 1972 vom damaligen Vorsitzenden Dr. Kurt Kampf (1907-1990) eröffnet. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung von 28. November 1972 berichtete, er habe „den Saal in einem früher unbekannten Ausmaß auch dem Nachwuchs geöffnet, der noch nicht dem Bund angehörte. Das kommt in erster Linie Studierenden der Hochschule für Gestaltung zugute, die das altgewohnte Bild erfreulich mit neuen Motiven und Stilen beleben.“ Mit Kurt Kampf hatte der BOK von 1969 bis 1976 einen Vorsitzenden gefunden, der die Belange der Künstler nach außen gut vertrat und dem BOK entscheidende Impulse für dessen spätere Ausrichtung gegeben hat. Er ist als einer der wichtigsten Mäzene der Offenbacher Kunst in die Stadtgeschichte eingegangen. Mit vielen BOKMitgliedern wie Bode, Martin, der Malerin Elisabeth Geyer (1907-1983), wie auch mit jüngeren Absolventen der Hochschule für Gestaltung verbanden ihn enge Freundschaften.

Bei der Jahresausstellung 1973 konnte der BOK erstmals das Rathausfoyer in Offenbach als Ausstellungsraum nutzen. Die Ausstellung wurde diesmal im Monat Oktober eröffnet. Der BOK brach damit bewußt mit der Tradition der Weihnachtsverkaufsausstellung, um aus der „Atmosphäre vorweihnachtlicher Almosenstimmung herauszukommen“, wie es in einem Bericht der Frankfurter Neuen Presse vom 12. Oktober 1973 heißt. Neben dreiundzwanzig Künstlern des BOK stellten acht Außenstehende, vor allem Dozenten und Studierende der Hochschule für Gestaltung, aus. Gerade auf die „originelle und vielfältige Bereicherung“ durch die Arbeiten der Hochschule für Gestaltung wird in der Ausstellungskritik hingewiesen.

Im Jahre 1981 erhielt der BOK ein eigenes Domizil, das die Stadt Offenbach in einem ehemaligen Fabrikgebäude in der Kaiserstraße 32-34 eingerichtet hatte. 1987 bestand wegen massiver Streichungen im Haushaltsetat, die auch den BOK betrafen, die Gefahr, die Miete dieser Räume nicht mehr aufbringen zu können. Die Künstler wehrten sich mit einem offenen Brief an die Stadtverordneten und protestierten bei der Eröffnungsrede der damaligen Kulturdezernentin Dr. Ursula Beul anläßlich der BOKJahresausstellung 1987 im Theater. Der Streit konnte beigelegt werden, da nach zähem Ringen ein Kompromiß in der Frage der städtischen Subventionen gefunden wurde. Obwohl 1990 noch einmal ein Zuschuss für eine erfolgte Mieterhöhung von der Stadt bewilligt wurde, mussten die Räume in der Kaiserstrasse 1995 endgültig geschlossen werden. Danach fanden die Ausstellungen des BOK in unterschiedlichen Räumlichkeiten wie dem Ledermuseum, dem Stadtmuseum und den Messehallen statt. Schließlich wurden ab 1999 Ausstellungen im Salon Brenner in der Kaiserstraße 55 veranstaltet. Heute steht dem BOK mit dem Salon Brenner ein eigener Ausstellungsraum zur Verfügung, der die öffentliche Präsenz des Vereins gewährleistet und ihm als Standort hoffentlich noch lange erhalten bleibt. In Vergangenheit und Gegenwart hat sich der Bund Offenbacher Künstler als unverzichtbarer Bestandteil des regionalen Kulturlebens erwiesen.

(1) Vgl. Christina Uslular-Thiele: Die Entstehung des Vereins für Kunstpflege Offenbach, Offenbach (Offenbacher Geschichtsblätter Nr. 39) 1993, S. 44f.
(2) Vgl. Barbara Kitzinger: Erich Martin (1905-1977). Ein Maler und Zeichner des 20. Jahrhunderts. Das Werk bis 1960 als Ausdruck einer „Ikonographie der Bewältigung“, Mainz (Diss.) 1988, S. 98.
(3) Vgl. Leonore Blume /Angelika Amborn-Morgenstern: Offenbach. Blickfang Kunst. Begegnungen. Ereignisse. Schicksale, Offenbach, 2000, S. 41.
(4) Vgl. Lothar R. Braun: Ludwig Plaueln gestorben. Der Offenbacher Künstler wurde 60 Jahre alt, in: Offenbach-Post, 24.3.1971.